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Geschichte der Celler Abwasserentsorgung

In Celle hat man sich früh von amtlicher Seite um eine Verbesserung der hygienischen Zustände in der Stadt bemüht, wenn auch nur – wie überall – mit mäßigem Erfolg.



Schon 1680 ordnete Herzog Georg Wilhelm an, dass die Straßen in Celle von allem Kot und Mist reingehalten werden sollten, da man zeitweise schwerlich zu Fuß darin fortkommen könne. Unmittelbar danach lassen sich erste Abrechnungen von Straßenreinigungsgeldern urkundlich nachweisen.
Königlicher Regierung
Vorgängiges
Gassen-Reinigungs-Reglement,
nebst einer
Designation,
wie in der Wochen, von Tage zu Tage, in der
Stadt Zelle,
Die Straßen mit denen Koth-Wagen zu befahren. Womit
nach vorgängiger Publikation den 31.Januar 1735 der
Anfang gemacht worden.
Von neuen angeleget und ausgetheilet 1759.
Zelle,
gedruckt bey Joh. Dietr. Schulzen,
Königl. Hof-Buchdrukker.

Bereit 1735 regelte ein Gassenreinigungs- Reglement der königlichen Regierung die so genannte Kotabfuhr, nach der regelmäßig die Straßen von Abfällen einschließlich Fäkalien gereinigt wurden. Hierfür wurden von den Hauseigentümern Gebühren erhoben, das so genannte Kotgeld – wenn man so will die erste nachweisbare Straßenreinigungs- bzw. Abfallgebührenregelung. Die Reinigung und Abfuhr wurde privaten Unternehmen übertragen.

Von Zeit zu Zeit war es unumgänglich, die Straßen general zu reinigen, indem man den Dreck weg schwemmte. Die vorhandenen unterirdischen Entwässerungsgräben, der älteste noch vorhandene und nachweisbare Stadtgraben am Südwall, leistete hierbei wertvolle Dienste.

Dieses System funktionierte leidlich. Noch 1898 stellte der Magistrat der Stadt Celle in seinem Verwaltungsbericht fest: „Fast noch mehr drängt sich das Bedürfnis nach einer Kanalisation auf, wenn man die Straßengossen mit all dem Schutz, den die Einleitung der Küchen- und Abwässer verursacht, erblickt, oder wenn im Sommer die Geruchsnerven sich mit den üblen Ausdünstungen der Gossen und so genannten Zwischen berühren.“ Im gleichen Jahr wurde das Projekt „Abwasserkanalisation“ dem Magistrat vorgestellt und kurze Zeit später beschlossen. Im Jahr 1902 wurde mit dem Bau der Abwasserkanalisation begonnen. Die Arbeiten waren in der ersten Phase bereits 1905 mit einem Kanalnetz von insgesamt 55 km abgeschlossen.

Auf eine Kläranlage, die nur im Falle einer Epidemie zum Einsatz kommen sollte (Desinfektion etc.) hat man zugunsten von Schlamm- und Rieselfeldern verzichtet. Aus dieser Anlage wurden übrigens in der Folgezeit nicht unerhebliche Einnahmen durch Gemüseanbau erwirtschaftet. Erst 1955 wurde mit dem Bau des Klärwerkes begonnen. Damit war eine mechanische Klärung der Abwässer möglich. 1958/59 wurde dann das Klärwerk um eine teilbiologische Anlage erweitert, die von 1966 bis 1969 zur vollbiologischen Reinigungsstufe mit einem Investitionsvolumen von fast 5 Mio. DM ausgebaut wurde. Ständige Verbesserungen, wie z.B. Optimierung der Nachklärung und erhöhte technische Anforderungen, haben von 1980 bis 1982 nochmals Investitionen von ca. 4 Mio. DM erforderlich gemacht. In dem nunmehr abgeschlossenen Bauabschnitt ist eine 3. Reinigungsstufe mit einem Investitionsvolumen von über 6 Mio. DM hergestellt worden.

Im Jahr 1999 wurde mit dem Bau einer Biofiltration begonnen und gleichzeitig als dezentrales EXPO-Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Zielsetzung für den Betrieb der Biofiltration ist die geregelte, sichere Unterschreitung des geforderten Überwachungswertes für Gesamt-Stickstoff. Diese Reinigungsstufe kann man somit auch als Rest- Stickstoffelimination bezeichnen.

Für das Funktionieren der Abwassertechnik ist das heute vorhandene Kanalsystem von größter Wichtigkeit. Rund 305 km Schmutzwasserkanal und rund 240 km Regenwasserkanal sorgen für eine Trennung Schmutzwassers vom Regenwasser. Die intensive Kontrolle und Reinigung des Kanalnetzes erfolgt mit modernster Technik und verlangt eine ständige Bereitschaft, um bei Störungen eingreifen zu können.

Zu den öffentlichen Kanälen gehören aber auch die öffentlichen Grundstücksentwässerungsleitungen mit einer Gesamtlänge (Schmutzwasser und Regenwasser) von ca. 205 km. Um die Vorfluter vor Verunreinigungen aus den Regenwasserzuläufen zu schützen, sind in den Jahren 1999 bis 2010 insgesamt 20 Regenrückhalteanlagen gebaut worden. Auch diese Anlagen müssen regelmäßig kontrolliert und gewartet werden.

Auf der Kläranlage wurde im Jahr 1999 der Startschuss für die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung gegeben. Dazu musste eine Klärschlammentwässerung mit Verladesilo gebaut werden. Zur besseren Klärschlammverwertung wurde dann im Jahr 2005 noch eine Überschussschlammeindickung als Systemergänzung angeschafft.

In den Jahren 2000 bis 2010 mussten die teilweise bis zu 60 Jahre alten Anlagen- und Betriebsteile ausgetauscht oder saniert werden. Dazu gehörten die beiden alten Schraubgasbehälter aus den 60er Jahren, die 2005 durch einen modernen Gasbehälter aus Stahl und innenliegender Gasblase ersetzt wurden. Ebenso mussten beide Faultürme innen saniert werden, außen die Dächer erneuert werden und die Faulschlammmischer ausgetauscht werden.

Im Jahr 2005 gab es ein zweifaches Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür zu feiern: 100 Jahre Kanalisation – 50 Jahre Klärwerk in Celle.

Um das zu bestehende Kanalnetz im Wert zu erhalten, startete 2005 das Kanalsanierungsprogramm mit entsprechenden jährlichen Kanalsanierungsraten.

Weitere Schritte in der Geschichte der Celler Abwasserentsorgung waren die Einführung der „doppelten Haushaltsführung“ und die Fertigstellungen des ersten "Hochwassereinsatzplans Binnenentwässerung/Regenwasser-Kanal“ im Jahr 2008.

Im Jahr 2012 wurde der Celler Klärschlamm für die Landwirtschaftliche Verwertung zertifiziert und es konnte ein Klimaschutzteilkonzept für die Abwasserentsorgung aufgestellt werden.

Durch die Einführung der Niederschlagswassergebühr im Jahr 2015 wird der Städtische Haushalt entlastet und dass durch die Gebühr eingenommen Geld kann in weitere Projekte der Regenwasserbewirtschaftung investiert werden.

Zum 1. Januar 2017 wurde der Eigenbetrieb Stadtentwässerung Celle gegründet. Dies war ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft der Abwasserentsorgung in Celle. Die wirtschaftliche Eigenständigkeit führt zu einer Verbesserung bei den Investitionen und dadurch auch zu einer Verringerung des Werteverlustes bei den Anlagengütern.

Parallel zur Eigenbetriebsgründung wurden im Jahr 2017 beide Blockheizkraftwerke auf der Kläranlage neu gebaut. Durch die Modernisierung kann die Kläranlage komplett mit selbst erzeugter Energie betrieben werden. Zusätzlich werden dadurch ca. 725 t CO2 pro Jahr eingespart.